Auf was man bei der Planung und Installation einer Photovoltaik-Anlage im Mehrfamilienhaus achten sollte

Private Photovoltaikanlagen leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Das gilt nicht nur für Einfamilienhäuser, sondern auch für Mehrfamilienhäuser, deren Bewohner von dem umweltfreundlichen Strom und günstigeren Stromkosten profitieren.

Gerade in einem Mehrfamilienhaus kann der durch eine PV-Anlage erzeugte Strom deutlich effizienter genutzt werden und den Energiebedarf der Mieter vollumfänglich oder zumindest größtenteils decken. Deshalb entscheiden sich immer mehr Eigentümer und Vermieter PV auf ihrem Mehrfamilienhaus installieren zu lassen.

Um alle Vorteile einer Solaranlage voll nutzen zu können, sind allerdings einige Dinge bei der Planung und Installation von PV auf einem Mehrfamilienhaus zu beachten. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei der Standortwahl achten sollten, welche Modultypen und Montagesysteme es gibt, was wichtig ist bei der Installation und Inbetriebnahme und was Sie darüber hinaus über Wartung und Betrieb wissen sollten.

1. Standortwahl

Der richtige Standort ist die wichtigste Voraussetzung für einen hohen Ertrag mit einer Photovoltaikanlage auf einem Mehrfamilienhaus. Im Idealfall treffen die Sonnenstrahlen möglichst lange im rechten Winkel auf die Solarzellen, sodass diese maximale Leistung erbringen können. Um dieses Ziel zu erreichen sind bei der Standortwahl einer PV-Anlage verschiedene Faktoren zu berücksichtigen:

1.a Dachausrichtung

Die optimale Ausrichtung geht nach Süden. Auch Dachausrichtungen nach Südwesten oder Südosten sind mit kleinen Leistungseinbußen (< 5% Verlust) möglich, ebenso Ausrichtungen nach Ost-West (ca. 20% Verlust). Eher nicht geeignet sind Dächer, die nach Norden, Nordwest oder Nordost ausgerichtet sind.

1.b Dachneigung

Die Dachneigung bzw. Neigung der Solarmodule bestimmt, in welchem Winkel die Sonnenstrahlen auf die Solarmodule treffen. Der optimale Neigungswinkel liegt hierzulande zwischen 30 und 35°, wobei dies sowohl von der Ausrichtung als auch von der geografischen Lage abhängt.

1.c Geografische Lage

Je nach geografischer Lage steht die Sonne kürzer oder länger hoch am Himmel, deshalb sollte der Neigungswinkel der Solarmodule an den Standort angepasst werden. Dabei gilt: In Norddeutschland sollte der Winkel größer, in Süddeutschland etwas flacher ausfallen. Bei uns in München können die Module also etwas flacher sein.

1.d Verschattungen

Schatten auf den Solarmodulen können den Ertrag einer Photovoltaikanlage erheblich reduzieren. Deshalb sollten Verschattungen durch Bäume oder andere Gebäude unbedingt vermieden werden - vor allem wenn diese tagsüber auftreten. Liegen einzelne Module nur früh morgens und spät abends im Schatten, sind die Auswirkungen auf den Ertrag oft vernachlässigbar.

2. Modultypen

Es gibt verschiedene Typen von Photovoltaik-Modulen, die sich in Material, Wirkungsgrad und Kosten unterscheiden und deshalb für bestimmte Immobilien besonders gut eignen:

  • Monokristalline PV-Module bestehen aus einkristallinem Silizium, das sich durch einen sehr hohen Wirkungsgrad (d.h. hohe Ertragsmöglichkeiten) auszeichnet. Die vergleichsweise aufwendige Herstellung schlägt sich in höheren Anschaffungskosten, aber auch einer langen Lebensdauer nieder. Diese PV-Module sind besonders gut für Mehrfamilienhäuser mit eher kleiner bis mittelgroßer Dachfläche und südlicher Ausrichtung geeignet.
  • Auch polykristalline PV-Module bestehen aus Silizium, allerdings ohne homogene Kristallstruktur, was einen niedrigeren Wirkungsgrad, aber auch geringere Anschaffungskosten bedeutet. Dennoch weisen diese Module eine hohe Produktqualität und Lebensdauer auf. Sie eignen sich besonders gut für Mehrfamilienhäuser mit größerer Dachfläche, über die sich der niedrigere Wirkungsgrad ausgleichen lässt.
  • Dünnschicht-PV-Module weisen im direkten Vergleich meist den niedrigsten Wirkungsgrad auf, sind in der Regel aber auch preisgünstiger. Ihre Produktion ist vergleichsweise unkompliziert und aufgrund des relativ geringen Rohstoffbedarfs umweltfreundlicher. Auch bei schwachen Lichtverhältnissen kommt es bei diesen Modulen nur zu geringen Leistungseinbußen, deshalb sind sie besonders gut geeignet für große Dachflächen (vor allem Flachdächer), die nicht unbedingt ideal ausgerichtet sein müssen.

In einem anderen Blog-Beitrag beleuchten wir alle Vor- und Nachteile der verschiedenen PV-Module für Mehrfamilienhäuser.

3. Montagesysteme

Wer PV auf einem Mehrfamilienhaus installieren lassen möchte, hat je nach Dachform die Wahl zwischen verschiedenen Montagesystemen:

  • Aufdachmontage: Die verbreitetste Form der Montage ist vergleichsweise einfach und erfordert keinen zusätzlichen Platz. Zudem sind Erweiterungen in der Regel problemlos möglich. Der Ertrag hängt ab von der Dachausrichtung und -schräge, wobei sich der Neigungswinkel durch die individuelle Einstellung der Schienen optimal an die Gegebenheiten anpassen lässt.
  • Indachmontage: Hier ist die Photovoltaikanlage in das Dach integriert, was eine spezielle Dachkonstruktion erfordert. Diese nachträglich einzubauen lohnt sich meist nur, wenn ohnehin eine Dachsanierung durchgeführt werden muss. Für Neubauten ist die Indachmontage jedoch eine gute Alternative für alle, die eine ästhetisch ansprechende Lösung wünschen.
  • Flachdachmontage: Bei Flachdächern lässt sich die Neigung der Solarmodule individuell an die Ausrichtung anpassen, um den Wirkungsgrad und damit auch den Ertrag zu erhöhen. Ideal sind einseitige Ausrichtungen nach Süden mit einer Neigung von ca. 35 ° oder doppelseitige Ausrichtungen nach Osten und Westen mit einer Neigung von 11 bis 15 °. Noch mehr Infos in unserem Blog-Beitrag: Was ist bei einer Solaranlage für ein Mehrfamilienhaus-Flachdach zu beachten?

4. Installation und Inbetriebnahme

Ähnlich wie bei Einfamilienhäusern erfordert die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf einem Mehrfamilienhaus in der Regel keine gesonderte Baugenehmigung. Ausnahme: Photovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden sind genehmigungspflichtig.

Sollte es mehrere Eigentümer geben, müssen alle Schritte von der Planung bis zur Installation der Photovoltaik-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus mit allen Eigentümern abgesprochen werden. Auch ist eine enge Zusammenarbeit mit den Mietern wichtig, zum Beispiel wenn es um die Auswahl eines geeigneten Betriebsmodells geht.

Je nach Betriebsmodell sind bei der Installation der Photovoltaik-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus verschiedene Aspekte zu beachten (z.B. Art und Anzahl der Zähler). Darüber hinaus müssen die technischen Anforderungen für den Anschluss an das öffentliche Stromnetz erfüllt sein und die Anlage bei dem Stromnetzbetreiber angemeldet werden. Deshalb sollten Sie für die Inbetriebnahme und Installation von PV auf einem Mehrfamilienhaus in jedem Fall einen Fachbetrieb beauftragen. Dieser kann auch die gesetzlich vorgeschriebene Registrierung der Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur vornehmen. Diese muss innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme erfolgen.

5. Wartung und Betrieb

Um sicherzustellen, dass die Photovoltaikanlage lange Zeit hohe Erträge erzielt, muss sie regelmäßig überprüft und gewartet werden. Dabei lassen sich mögliche Verunreinigungen oder Beschädigungen erkennen und frühzeitig beseitigen. Zu der Wartung gehört eine regelmäßige Sichtprüfung (mindestens einmal pro Jahr) und eine Prüfung nach DIN EN 62446-1 VDE, die mindestens alle vier Jahre erfolgen sollte. Die Wartung sollte ein auf Solaranlagen spezialisierter Fachbetrieb übernehmen, zum Beispiel der auch die Installation der Photovoltaik-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus vorgenommen hat.

Die Wartungskosten gehören zu den Betriebskosten und können auf die Mieter umgelegt werden, was in einem Mehrfamilienhaus in der Regel nur geringe Mehrkosten für die einzelnen Parteien bedeutet. Ebenfalls zu den Betriebskosten, die sich in der Summe auf etwa 1-2% der Investitionskosten belaufen, gehören die Gebühren für Stromzähler, Versicherungsbeiträge sowie Kosten für Reinigung und Reparaturen.

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